reflections

Sommerabend mit Julie

Ich steh' an der U-Bahnstation und warte. Selbst hier riecht es nach Sommer. Die U-Bahn fährt ein, ein dichtes Gedränge. Die Tür öffnet sich, da steht sie. Sie winkt mir zu, ich steige ein.  Es ist warm und stickig; voll und jeder menschliche Körper in dieser Bahn macht es noch wärmer. Zum Glück hielt sie uns schon Plätze frei. Ich setze mich zu ihr und wünsche mir, dass sich Nichts verändert hat zwischen uns. Meine Wünsche bleiben meist unerfüllt. Sie redet von ihrem neuen Leben und wie ihr altes Platz darin findet. Ich hoffe, den finde ich auch. Ich habe das Gefühl ich lerne einen neuen Menschen kennen und fühle mich automatisch abgelehnt-wie immer. Sie rutscht näher und ich höre nun besser, was sie sagt. War wohl Sinn und Zweck der Aktion. Sie redet von einem Jungen. Erst von dem Neuen, dann von dem Alten und ich bemerke, dass mich ihre Haare noch genauso faszinieren wie sie es bei unsere, ersten Gespräch vor über 5 Jahren getan hatten. Nur sehen sie jetzt anders aus. Sie hat nicht die Haare verändert aber ihre Einstellung dazu. Auf einmal sind diese Haare selbstverständlich. So wie sie. Ich frage mich, warum sie weg war. Eigene Schuld. Im Innersten verfluche ich den Lauf der Dinge, dass sich das Gute immer ändert und das Schlechte nur die Farbe wechselt. Ich habe sie wirklich vermisst.

Die Bahn hällt an und wir steigen aus. Zu ihr wollen wir und jetzt bin ich dran von meinem neuen Leben zu erzählen. Ich konzentriere die Schilderungen auf einen Aspekt. Mehr will ich nicht sagen, denn mehr spielt keine Rolle und ist belastend. Ich will nur die Tür ins Alte offen halten. Wir biegen in die Straße ein, in der sie wohnt. Es ist schön hier. Ich bin deprimiert von meinem eigenen, neuen Leben und auch dem einzigen Aspekt, den ich mit ihr teile. Sie hat eine neue Mitbewohnerin, aber die ist nicht da. Gut, also sind wir allein. Wir sitzen da und sie kommt auf die Idee mir einiges zu zeigen. Ich sehe das neue Leben in Bildern. Gefällt mir. Es wird später und auch ich habe Möglichkeiten, um das neue Leben festzuhalten, mitgebracht. Ich schminke sie, wie früher. Und wir machen Bilder. Ich halte alles im Innersten fest. Es ist nicht mehr wie früher. Ständig dieses Gefühl, dass es so schnell enden kann. Aber das hat es schon längst. Wir haben ja neue Leben.

Sie meint, wir könnten einen Film sehen und ich bin begeistert. Mittlerweile ist es so dunkel, dass der flackernde Fernseher die einzige Lichtquelle im Raum ist. Wir liegen auf dem Bett, es ist bequem, ihr Geruch sogar vertraut. Ich habe sie vermisst. Dieses Gefühl, das ich früher kaum wahrnahm ist gerade das wichtigste auf der Welt für mich. Sie kuschelt sich an, ihr Kopf ruht auf meinem Bauch. Gerade sind wir im alten Leben, nur kann ich es jetzt wertschätzen. Ihr Atem beruhigt mich. Und ich werde das erste Mal in meinem Leben wegen ihr eifersüchtig. Auf die neuen Leute, auf die Mitbewohnerin.

Das Ist gerade einer der schönsten Momente in meinem Leben.

Der Film endet. Der Moment auch. Ich muss gehen. Sie bringt mich noch zum Bus und ich wünsche mir nur, dass ich irgendwann in Julies neues Leben passe.

13.6.09 01:15

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